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Mittwoch, 18. November

Mi, 18. Nov 2026, 18:15

The Case for (Neo)colonialism: Neotrusteeship in International Relations

@ Campus Westend › Campus Westend, Hörsaalzentrum

Mi, 18. Nov 2026, 18:15 – 20:15

Bürgersinn und Nationalsozialismus

@ Campus Westend

Mi, 18. Nov 2026, 18:30

„Rooster“

@ Projektor

„Rooster“
Mi, 18. Nov 2026, 19:00

ESSENCE Retreat "Portal der Präsenz"

@ Karin Hohenegger Akademie – Villa Flora

ESSENCE Retreat "Portal der Präsenz"
Mag.a Karin Hohenegger
Mi, 18. Nov 2026, 19:00

The Berlin Ceilidh

feat. Nightlark

@ Kesselhaus & Maschinenhaus › Kesselhaus – Kulturbrauerei

The Berlin Ceilidh
Mi, 18. Nov 2026, 19:00 · Einlass 19:00

"Rheinmetall entwaffnen entwaffnen"

Eine Veranstaltung der Gewaltfreien Aktion Hannover

@ Kulturzentrum Faust › Warenannahme

“Gewalt bei Antikriegs-Demo – Polizisten mit Stahlkugeln beschossen” lautete die Schlagzeile bei der Bild-Zeitung. “Demo-Eskalation in Köln – Schwere Vorwürfe gegen Polizei nach Kessel-Aktion” heißt es dagegen beim Express und nd-Journalismus von links meldet “Polizeigewalt auf Demo gegen Aufrüstung”. Die Medien haben sich jeweils einseitig das herausgepickt, was ihrem politischen Narrativ entspricht. Reden wir über das, was unterlassen wird, reden wir über die fehlende Reaktion der Friedensbewegung, beziehungsweise von dem, was gegenwärtig diese Bezeichnung okkupiert hat. An einer Demonstration, die sich vorgeblich gegen Aufrüstung und Krieg richtet, beteiligen sich Leute, die sich vermummen, in der Szene spricht man von Hasskappen, neuerdings in rot und mit Hammer und Sichel. Leute, die Pyrotechnik zünden und die Waffen mitgebracht haben. Mit professionellen Zwillen und Katapulten schießen sie Stahlkugeln auf Polizisten, die eine derart hohe Geschwindigkeit haben, dass sie Schutzschilde durchschlagen. Warum schreitet die Demonstrationsleitung nicht ein? Wo bleiben die Ordner*innen? Warum distanziert sich keine der beteiligten Organisationen? Warum entschuldigt sich niemand hinterher? Leider zeigt es sich immer wieder, dass wir dringend eine neue Friedensbewegung brauchen. Eine, die diesen Namen endlich wieder verdient. Und, wenn wir Aufrüstung und die zunehmende Militarisierung der Gesellschaft stoppen wollen, dann müssen wir bereits bei unseren eigenen Demonstrationen damit anfangen. Dann wäre es bereits ein erster wichtiger Schritt, wenn wir Rheinmetall entwaffnen entwaffnen. www.gewaltfreie-aktion-hannover.de www.quaker-roots.org.uk Eine Veranstaltung der Gewaltfreien Aktion Hannover.

"Rheinmetall entwaffnen entwaffnen"
Mi, 18. Nov 2026, 19:30

Feldenkrais Online/Zoom - Bewusstheit durch Bewegung

@ Missions-Dominikanerinnen Schlehdorf

Bild 1, © Sw. Margit Bauschke
Sw. Margit Bauschke
Mi, 18. Nov 2026, 19:30

Willy Astor - Reimart und Lachkunde - Prädikat wortvoll.

@ Kulturhaus Milbertshofen

Bild des Künstlers mit weißer Krawatte und weißem Hemd und einer orangefarbenen E-Gitarre
Nils Schwarz
Mi, 18. Nov 2026, 19:30 – 21:30 · Einlass 18:30

TRAC#4: OPEN STAGE

@ Waschhaus Potsdam › Waschhaus – Kesselhaus

We proudly present - unsere diesjährigen Open Stage Gäste! Hier könnt ihr nachlesen, wer auf der Bühne zu sehen sein wird und worum es in den Stücken geht. Im Anschluss an die Performances findet ein After Show Talk mit den Tänzer:innen statt. Performances Weiße Lilien Weiße Lilien erzählt die Geschichte einer Frau, die sich an jemanden erinnert, den sie einst verloren hat. Das Solo führt das Publikum in einen intimen Raum, in dem sich die Person ihrer tiefen Trauer stellt. Von Erinnerung eingeholt, verwandelt sie sich in eine körperliche Darstellung der Trauer zwischen Schmerz und Befreiung. Tänzer*Innen: Chiara Schmiedel Wachs “Wachs” behandelt den Versuch sich Blicken von Außen zu stellen. In Emotionen finden wir Kraft, um die Unsicherheit miteinander in Wut und Macht zu transformieren. Tänzer:innen: Mila Božić, Yenima Ardiles Lindemann El concert She just found herself there, it wasn’t planned. They started and everything came in and out and through, inexorable until the last note of the song. Dancer: Joa Torner Cerdà 9 to 5 9 to 5 explores the physical impact of repetitive work and the rhythms imposed on the body. Through movement, improvisation and sound, the piece moves between routine, control, exhaustion and resistance. It reflects on the search for freedom within structures that constantly ask us to perform. Dancer: Julien Billerot What Remains? Das Stück „What Remains?“ behandelt Fragen von Zugehörigkeit und untersucht Dynamiken menschlicher Begegnungen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der eigenen Positionellen Verortung als junge Frau innerhalb der Tanz-Community. Tänzer:innen: Aliyye Sahin, Lena Anindo Usia, Lucie Fensch, Selin Tuncer TRAC (frz. Lampenfieber) ist ein Tanzfestival, welches jungen Künstler:innen eine professionelle Plattform für eigene Stücke bietet. 4 verschiedene Aufführungsformate voller Tanz, Improvisation und Perspektiven. Das Festival wird von Tänzer:innen der tanzparcours Companie sowie der künstlerischen Leitung von tanzparcours e.V. gemeinsam kuriert, geplant und durchgeführt. TRAC#4 wird gefördert durch die Festivalförderung der Stadt Potsdam.

TRAC#4: OPEN STAGE
Mi, 18. Nov 2026, 19:30

David Bowie Symphony

@ Nikolaisaal Potsdam

Performed by MILAN DEVINNE & THE THIN WHITE DUKE ORCHESTRA Eine packende Live Produktion, die die größten Bowie Songs mit orchestraler Strahlkraft neu interpretiert. Mit internationalem Ensemble, erstklassiger Tontechnik und einer exklusiven Vorab Doku verbindet die Show Emotion, Energie und künstlerische Detailtreue – ein lebendiges Fest zum Vermächtnis eines der prägendsten Künstler der Popgeschichte. David Bowies Kunst hat Popmusik in hohe Kunst verwandelt. Mit »David Bowie Symphony« feiert ein ambitioniertes Konzertprojekt die Ikone auf große, zeitgemäße Weise: Orchesterklang und Rockband verschmelzen zu einer energiegeladenen Live Erfahrung, die das Werk des Visionärs neu hör und fühlbar macht – respektvoll, detailverliebt und mit großer emotionaler Tiefe. Die Produktion ist die symphonische Erweiterung von »Mr. Bowie – The Reality Show« des Sängers Milan Devinne. Bekannt für seine außergewöhnliche Stimmbandbreite und seine authentische Annäherung an Bowies musikalisches Universum, verleiht Devinne Klassikern wie »Space Oddity«, »Heroes«, »Life on Mars?« oder »Let’s Dance« neue Strahlkraft. Die Arrangements betonen die dramaturgische Kraft der Songs, ohne deren DNA zu verändern – eine Hommage mit Herz, Präzision und großem Respekt. Internationales Team für einen Weltklasse Sound Für die musikalische Leitung zeichnet der italienische Dirigent und Arrangeur Andrea Bonaldo verantwortlich, der Orchester und Rockband zu einer Einheit formt. An der Gitarre steht Peter Pohl, dessen Arbeit mit Falco, Opus und Supergau ihn zu einem der versiertesten Gitarristen der europäischen Rockszene macht. Den audiophilen Rahmen liefert Helmut Scheiber, österreichischer Tonmeister mit Referenzen von Status Quo über Boney M bis Chris Norman – Garant für transparente, druckvolle Klangästhetik bis in die letzte Reihe. Exklusive Stimmen aus Bowies Umfeld Ein besonderes Element des Abends ist eine kurze Dokumentation vor Showbeginn. Darin zu sehen: Richard Young (legendärer britischer Fotograf von David Bowie, Freddie Mercury, The Rolling Stones und Mitgliedern der königlichen Familie), Thierry Amsallem (CEO des Montreux Jazz Festivals und enger Freund Bowies) sowie Peter Freestone (langjähriger persönlicher Assistent von Freddie Mercury und Mitarbeiter David Bowies). Ihre Erinnerungen eröffnen eine selten intime Perspektive auf Bowies Welt und rahmen den Konzertabend inhaltlich ein. Offiziell unterstützt Das Projekt wird offiziell von Hermjo Klein unterstützt, der als europäischer Tourmanager u. a. für David Bowie, The Rolling Stones, Queen, Jimi Hendrix und Janis Joplin tätig war: »Milan Devinne kann mit seiner einzigartigen Stimmfarbe und Qualität den archetypischen Sound von Bowie nachbilden und selbst die treuesten Fans in seinen Bann ziehen.« www.davidbowiesymphony.de Veranstalter: Reset Production e.K., Gera

David Bowie Symphony
Pressebild
Mi, 18. Nov 2026, 19:30

K.

Ein talmudisches Tingeltangel rund um Kafkas "Prozess"

@ Berliner Ensemble › Großes Haus

Sein ganzes Leben hat Franz Kafka mit der Frage gerungen, was sein Jüdischsein für ihn bedeutet. Aufgewachsen in einer assimilierten Familie verband er die sporadischen Synagogenbesuche eher mit Zwang. Die religiösen Regeln, ihre Auslegungen und Erzählungen befremdeten ihn mindestens genauso, wie sie ihn faszinierten. Kaum verwunderlich, dass es vielmehr die jüdische Kultur, die Kunst, genauer gesagt: das Theater in jiddischer Sprache war, welches Kafka den ersten Anstoß gab, sich dem Judentum zu nähern. Im Herbst 1911 besuchte Kafka regelmäßig die Aufführungen einer ostjüdischen Theatergruppe. Ihre tragikomische Erzählweise, die Vermischung von Gesang, Tanz, Drama und der selbst-verständliche Umgang mit dem Jiddischen beeinflusste nachweislich sein Schreiben. Vor diesem Hintergrund inszeniert Opernregisseur Barrie Kosky Kafkas berühmtesten Roman "Der Prozess" und weitere Texte als Auseinandersetzung mit Kafkas Judentum auf Deutsch, Jiddisch, Hebräisch, jeweils mit deutschen Untertiteln, und – natürlich – mit viel Musik! Für den schwerkranken Kafka selbst mündete diese stets auch schuld- und schambehaftete Auseinandersetzung erst durch die Begegnung mit Dora Diamant im letzten Jahr vor seinem Tod, wenn nicht in Erlösung, so doch zumindest in eine Art Trost. Koskys künstlerisches Schaffen durchzieht ein fortwährendes Interesse, dem Publikum Zugang zu unbekannteren Bereichen jüdischer Kultur zu eröffnen. In diesem Sinne setzt der ehemalige Intendant der Komischen Oper Berlin nach seiner erfolgreichen Inszenierung der "Dreigroschenoper" seine Zusammenarbeit mit dem Berliner Ensemble fort. No Escape!Was reizt den Musiktheater-Regisseur Barrie Kosky an dem Sprachkünstler Franz Kafka? KOSKY Kafka begleitet mich schon mein ganzes Leben. Mit 13 Jahren öffnete mir Die Verwandlung eine neue Welt. In meinen ersten Inszenierungen in Australien spielten Themen und Textfragmente aus Kafkas künstlerischem Universum eine Rolle. Meine große Liebe zum jiddischen Theater und Vaudeville habe ich überhaupt erst durch Kafkas Begeisterung dafür entdeckt! Seine lebenslange, höchst ambivalente Auseinandersetzung mit dem Judentum, die ganzen unauflösbaren Widersprüche, in die er als assimilierter Jude und deutsch schreibender Autor in Prag verwickelt war, sein obsessives Beharren auf Einsamkeit einerseits, sein tiefer Wunsch nach Zugehörigkeit andererseits, seine nervöse, fast zwanghafte Suche nach Wahrheit, seine Widerständigkeit, seine Fantasie, seine Paranoia … Kafka rührt bei mir an etwas ganz Fundamentales, gleichzeitig zutiefst Persönliches. Während meiner Zeit am Schauspielhaus in Wien entstand eine Kafka-Trilogie und als wir 2021 hier am Berliner Ensemble nach der Dreigroschenoper über eine neue Inszenierung sprachen, sah ich die Gelegenheit, mich erneut mit Kafka zu beschäftigen und mit diesem fantastischen Ensemble, das auch fabelhaft singen und tanzen kann, ein neues Musikheaterstück rund um Kafka und Kafkas Prozess zu erfinden. Mit welcher Musik? Die meisten Lieder stammen aus dem jiddischen Theater zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Warschau, wo auch der Schau- spieler Jizchak Löwy herkam, den Kafka 1911 bei Aufführungen in Prag kennenlernte. Und im Gegensatz dazu: Bach. Ich denke, es gibt keine Musik, die weiter weg sein könnte von jiddischen Liedern als Bachs lutherisch-protestantische Kirchen- und Hausmusik aus dem deutschen Barock. Bei uns hören wir sie in einer von Adam Benzwi arrangierten verswingten Version. Und für Kafkas letzte Monate mit seiner Lebensgefährtin Dora Diamant haben wir uns für Robert Schumanns Liedzyklus Dichterliebe entschieden mit Texten von Heinrich Heine, die Anna Rozenfeld ins Jiddische übersetzt hat. Die gleiche Bedeutung, die Heine als assimilierter Jude für die deutsche Kultur des 19. Jahrhunderts hatte erreichte Kafka für das 20. Jahrhundert. Ein Abend über Kafkas Leben? Ich kann seine Kunst, alles, was er geschrieben hat, nicht mehr so einfach trennen von dem, was ich über sein Leben weiß und umgekehrt. Es ist kein biografischer Abend, aber Schreiben war für Kafka keine Selbstverständlichkeit, sondern eine zutiefst persönliche Angelegenheit, ein Kampf mit sich selbst, ein Gebet, wie er es einmal nannte; eine Lebensversicherung, ein Sich-des-Lebens-versichern, Schutz vor und Bewältigung der ihn bedrängenden Welt, Fluch und Segen, Folter und Rausch, Begrenzung und Entgrenzung, einfach alles. Die unendlich scheinende Deutbarkeit von Kafkas Texten erinnert dabei in Form und Stil an talmudische Schriften, die derart viele, zum Teil auch widersprüchliche Bezüge in sich tragen, dass sie eine fast unendliche Anzahl an Kommentaren benötigen oder herausfordern. In der Forschung liest sich die Entdeckung von Kafka als jüdischer Autor enorm kontrovers. Das kann auch nicht anders sein, denn diese Widersprüchlichkeit Kafkas ist ja genau der Punkt und in seinen Texten fest verankert. Kafka war ein assimilierter jüdischer Schriftsteller mit unübersehbaren Einflüssen jüdischer Kultur, einem tiefreligiösen Verlangen nach Erlösung gepaart mit einer Portion jüdischem Selbsthass und Witz. Walter Benjamin schrieb dazu: "Ich denke mir, dem würde der Schlüssel zu Kafka in die Hände fallen, der der jüdischen Theologie ihre komischen Seiten abgewönne." Vielleicht. Die Komik hat meiner Meinung nach mit Kafkas Begegnung mit dem jiddischen Theater und seiner volkstümlichen, burlesk-komödiantischen Vaudeville-Ästhetik zu tun, was sich bei Kafkas Texten in den grotesk-absurden Situationen, Metaphern und Gesten wiederfindet. Zu der jüdischen Theologie mit ihrem unergründlichen, grausam strafenden Gott, ihren 613 – nicht nur 10! – Geboten und Verboten, die den Alltag bis ins Kleinste und Intimste regeln, hatte Kafka ein äußerst zwiespältiges Verhältnis. Die Parabeln wiederum, die zum Beispiel im Talmud vorkommen, haben ihn fasziniert. Mich hat interessiert, wie sich Kafkas ambivalente Auseinandersetzung mit der jüdischen Tradition in seinen Texten spiegelt – und sein Kampf dagegen. Er hat das alles gehasst. Er hat es gesucht. Er hat es zelebriert. Die Abwehr von Schuldgefühlen war dabei ein Dauerthema – gegenüber der Familie, den Lebensgefährtinnen, der jüdischen Tradition, sich selbst, seiner Kunst ... Einige von Kafkas engen Freunden engagierten sich in der zionistischen Bewegung. Der Zionismus spielte für Kafka eine ambivalente Rolle. Er interessierte sich für die kulturellen Aspekte des Judentums, nicht für die politischen. Aber am Ende seines Lebens lernte er intensiv Hebräisch und träumte davon, zusammen mit Dora Diamant auszuwandern, ein Restaurant zu eröffnen, in dem sie kochen und er kellnern wollte. Hebräisch war lange hauptsächlich die in der Synagoge verwendete Sprache der Bibel und der zahlreichen – 613! – Gesetze in der Tora. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurde es als gesprochene Sprache wiederbelebt. Im Alltag haben sich vor allem zwei jüdische Sprachen entwickelt. In Mittel- und Osteuropa war es Jiddisch, was im 19. Jahrhundert bis zum zweiten Weltkrieg zu einer wahren Explosion jiddischer Literatur, Dramatik, Musik, Filme und so weiter, führte. Jiddisch war und ist immer mehr als eine Sprache, es ist voller Kultur, jedoch unter Juden und Jüdinnen auch sehr unterschiedlich bewertet. Meine assimilierte bildungsbürgerliche Großmutter aus Budapest zum Beispiel hat Jiddisch gehasst. "Du musst Deutsch lernen", hat sie immer zu mir gesagt, "das ist die Sprache der Kultur." Jiddisch und damit die volkstümliche jiddische Kultur und Lebensweise wurden abgewertet aus Angst, sie werfe einen zurück in das von Armut geprägte, dreckige Schtetl Osteuropas. Meine polnische Großmutter hingegen hat es geliebt. Für sie war die jiddische Kultur die Seele des Judentums. Und mir war es in meinen Arbeiten immer wichtig, den Reichtum, die Widersprüchlichkeit, die Traditionslinien dieser Kultur zu zeigen. Kafka entdeckte diese jiddische Kultur im Herbst 1911 mitten in Prag. Im Café Savoy, ja, bei den Aufführungen der ostjüdischen Wandertheatergruppe von Jizchak Löwy. Kafka hat über zwei Jahre hinweg sehr viel jiddisches Theater gesehen und war mit Löwy und dem Ensemble eng befreundet. In einfachen Bühnenbildelementen, billigen Kostümen wurde gespielt, gesungen, getanzt, manchmal jiddische Operetten, manchmal biblische Stücke, Komödien mit jiddischen Liedern. Für Kafka war diese Erfahrung lebensverändernd. Er sah in der Künstlichkeit ihres Spiels eine Art Wahrheit, etwas was sich echter und lebendiger anfühlte als was er sonst von jüdischen Traditionen kannte, etwas, was schwer zu fassen war, etwas Altes, beinahe Mystisches. Evelyn Thornton Beck hat in ihrem Buch Kafka and the Yiddish Theater akribisch nachgewiesen, welche Inszenierungen Kafka gesehen hatte und wie sie sein Schreiben beeinflussten, was schließlich 1912 mit der Erzählung Das Urteil zu dem unverwechselbaren Kafka-Stil und Kafkas literarischem Durchbruch führte. Dazu gibt es auch viele andere Theorien, keine Frage. Aber ich fand es interessant, dem nachzugehen. In der jiddischen Kultur fand Kafka eine Form der Emotionalität, Freiheit und Komik, die er von der deutschen Hochkultur nicht kannte. Diese ganze Tradition des jiddischen Vaudevilles setzt sich später fort in den Hollywood-Komödien und der Unterhaltungsfilmindustrie der 30er und 40er Jahre. Viele der Filmemacher und Studiogründer Hollywoods waren jüdische Künstler mit Vaudeville-Bezug. Aber das ist eine andere Geschichte … Auch Dora Diamant sprach Jiddisch. Wer war diese Frau? Sie war die Tochter einer orthodoxen jüdischen Familie aus Polen, die sich gegen den Widerstand ihres Vaters nicht nur für Theater interessierte und später Schauspielerin wurde, sondern sich als junge Frau von ihrer Familie trennte und als Kindergärtnerin 1920 nach Berlin zog. Die Biografie Dora Diamants ist eine eigene, atemberaubende Geschichte. Sie war weit mehr als nur Kafkas glücklichste Liebe in seinem letzten Lebensjahr. Für Kafka, den sie im Juli 1923 im Ostseebad Müritz kennenlernte, war sie die Komplizin, mit der er glaubte, seinen lebenslangen Konflikt mit dem Judentum und der Assimilation endlich auflösen zu können. Dora hatte denselben Zwiespalt durchlebt und geschafft, was er alleine nie konnte: die Trennung von der Familie, dem Vater, der Wegzug nach Berlin, ein selbstbestimmtes Leben, das eine lebendige jüdische Tradition mit westlicher Kultur und säkularen Freiheiten verband, ohne den Preis von Abstraktion und sozialer Kälte zu bezahlen. Sie verkörperte eine Art Koexistenz beider Lebensweisen, die auch Kafka sich auf einmal vorstellen konnte. Nach dem Sommer zog er zu ihr nach Berlin. Ein halbes Jahr später begleitete sie ihn im Frühling nach Österreich in das Sanatorium, in dem er kurze Zeit später, am 3. Juni 1924, an Lungentuberkulose starb. Also keine Erlösung? Es gibt keine Erlösung in Kafkas Welt – weder in der gelebten noch in der imaginierten. Keinen Ausweg aus den unterschiedlichen Käfigen und Zwängen, die das Leben für einen bereithält, keine Flucht vor dem Unergründlichen, keine Antwort auf die Frage nach Sinn, Schuld und Sühne. Vielleicht eine Ahnung davon in der Kunst, in der Literatur, der Musik. Und in der liebenden oder freundlichen Verbundenheit zwischen Menschen. Doch bleibt es immer eine Kunst zum Tode, ein Leben zum Tode hin: Am Tag seines Todes, geschwächt und abgemagert, er konnte nicht mehr sprechen, kaum trinken, korrigierte Kafka noch die Druckfahnen seiner Erzählung Der Hungerkünstler, die Geschichte eines Künstlers, der den Höhepunkt seiner Kunst im physischen Verschwinden erreicht, unbemerkt, ohne Publikum. Völlig sinnlos. Oder der Leser in der Erzählung Die Strafkolonie, der einen Text buchstäblich durchlebt durch eine Schreibmaschine, die ihm mit spitzen Nadeln jedes Wort in die Haut, auf den Körper tätowiert, und am Ende, bei dem finalen Stich in die Stirn, also im Tod, die kabbalistische Erleuchtung verspricht – dann aber leider auseinanderfällt und doch nur tötet, ohne Erlösung. Oder der Tod von Josef K. im Prozess, ein Mord, unbegründet, ausgeführt von zwei Schauspielern, deren Profession es ist, ein Schauspiel zu veranstalten. Ein Spiel zum Tode. Doch vielleicht ist auch das nicht das erlösende Ende, da ein Spiel auch wieder von vorne losgehen kann. There is no escape – also machen wir das Beste draus. Das Gespräch führte Sibylle Baschung

K.
Mi, 18. Nov 2026, 19:30

10 JAHRE REPORTER SLAM

Die Jubiläums-Show

@ Heimathafen Neukölln

10 JAHRE REPORTER SLAM
Andi Weiland
Mi, 18. Nov 2026, 20:00

Claus von Wagner

@ Kupferhaus Planegg

Foto des Künstlers mit braunem Pullover vor braunem Hintergrund.
Mena Zoo
Mi, 18. Nov 2026, 20:00

D'Bavaresi - Drei Wuide unterwegs

@ Wirtshaus im Schlachthof, Ox

D'Bavaresi - Drei Wuide unterwegs Die drei sind bunte Hunde in der bayrischen Musikszene: Der Oberbayer Sebastian Horn, Frontmann und Texter von „Dreiviertelblut“ und „Bananafishbones“ ist bekannt für seine einzigartige Bass Stimme und seinen schwarzen Humor. Der Oberpfälzer Mathias Kellner ist einer der bekanntesten Liedermacher Bayerns. Seine unverkennbare, kraftvolle Stimme und das schier unerschöpfliche Repertoire an Welthits, die er ins Bayrische übersetzt, bilden einen Grundstein dieser wahnwitzigen Kombo. Der Multiinstrumentalist Otto Schellinger aus Niederbayern (u. A. Begleitmusiker für Claudia Koreck, Nick Woodland) komplettiert diese anarchisch-bayrische Band. Hier wird weder bei den Ansagen noch bei der Interpretation bayrischer Hits ein Blatt vor den Mund genommen. Da wabert eine 80er-New Wave Version von Fredl Fesl um die Wette mit der Neuaflage von Hans Söllners Kultsong „Marihuanabaam“ – die Live Version auf TikTok hat weit über 200000 Aufrufe. Schonungslos wird Hit um Hit abgewatscht („Wei I Di mog“, „Resi, I hoi di mit meim Traktor ob“) oder mit liebevollem Augenzwinkern in den Himmel hineingesungen („Nix mitnehma“, „Frosch im Hois“). Egal ob die Band die Hits der Welt verehrt oder durch den Kakao zieht: Es geschieht immer ehrlich und liebevoll, Tränen lachen und mitmachen sind angesagt. Egal ob auf der Landesgartenschau oder im Münchner Schlachthof, die Leute sind baff und begeistert. Humor jenseits der Gürtellinie, der nicht nur ins Schwarze trifft, sondern auch mitten ins Herz. D’Bavaresi bieten einen Abend, an dem die vorgehaltene Hand zum Schenkelklopfen hergenommen wird. Garantiert bayrisch. Aber echt. Mit Scheiß.

Drei Personen posieren vor einer Bar die Person links trägt einen Trachtenhut und grünen Janker, die in der Mitte trägt eine Kappe und der rechts eine Mütze. Alle haben einen Bart und blicken in die Kamera.
Manuel Ringlstetter