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Freitag, 30. Oktober

Fr, 30. Okt 2026, 20:00

Aufzeichnungen aus dem Kellerloch

@ Berliner Ensemble › Neues Haus

Das grenzenlose Leben in der Großstadt, der Anspruch auf Freiheit und die Kostbarkeit des eigenen Lebensentwurfs – nämlich genau so leben zu können, wie man es möchte – finden am Ende des Tages im "wirklichen" Leben nur wenig Platz. Stellt sich die Frage: Gibt es das denn überhaupt, "freien Willen"? Kann man das überhaupt, "Leben nach eigener Vorstellung"? Oder ist das am Ende doch nur etwas für die "happy few", in einer Welt, die längst berechnet und verkauft ist? In einer Abrechnung und Annäherung gleichermaßen durchlebt Dostojewskis Protagonist noch einmal sein Leben, predigt und wütet heillos, immer auf der Suche nach dem echten Leben innerhalb der Abgründe der Gesellschaft. Die meisten Dinge im Leben sind in Systemen geordnet; seien es politische Systeme und Staatsformen, Wirtschaftssysteme, Sitten und Sprache, Mythen und Glaube oder Organisationsformen von Wissen. Menschen schaffen Systeme, um sich die Natur, die Umwelt und jede Form von Miteinander handhabbar zu machen. Sie schützen vor dem Nichts – vor der Sinnlosigkeit und Grausamkeit der Welt. Ein Problem allerdings, das sich damit stellt, ist, dass Systeme immer auch Macht bedeuten. Sie machen die Welt zwar verfügbar, aber so gut wie nie komplett und nie für alle. Die Menschen nun, die – selten freiwillig – außerhalb dieser Systeme geraten, sind es, die im Mittelpunkt von Dostojewskis Werk stehen: Die Unsichtbaren, die nicht reich, klug, jung oder fortschrittlich genug sind. Diese Menschen sind nicht gern gesehen und sie kommen auch selten in der Literatur vor. Die Gefahr, die die Unsichtbaren darstellen, ist nämlich, dass sie sichtbar machen, dass Systeme menschengemacht sind und damit veränderbar; sie sind gefährdet und gefährdend gleichermaßen. Diese Unsichtbaren zeigen, dass es etwas gibt, das außerhalb des Systems ist und das liegt daran, dass Systeme nicht natürlich sind. Und wenn die Welt veränderbar ist, bedeutet das auch, dass wir, die wir in den Systemen leben, für sie verantwortlich sind und einen Umgang mit dem, was außerhalb ist, finden müssen. Die Totalität von Systemen nivelliert den Menschen – das zeigt sich bei Dostojewski an denjenigen, die in ihnen nicht vorkommen, die am Rand oder vor dem Abgrund stehen und nicht weiter wissen. Denn in ihnen offenbart sich die menschliche Existenz – als schmerzhaft und gefährdet, aber frei. Denn der Mensch hat eine Wahl – wenn auch keine leichte. Dostojewski besteht darauf, dass sich die Freiheit des Menschen, die er zwischen den zwei Polen der Welt – dem Glauben und dem Wissen – verloren sieht, im Wollen besteht. Wo der Glaube den Menschen zu sittlicher Demut ermahnt und das Wissen dem Menschen beweist, dass er nichts weiter als eine Reihe molekularer Kausalketten ist, können wir Freiheit wollen und sind damit verantwortlich. Die Welt ist ein System vor dem Abgrund – und es liegt an uns sie zu gestalten. von Johannes Nölting

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Samstag, 31. Oktober

Sa, 31. Okt 2026, 20:00

It's Britney, Bitch!

@ Berliner Ensemble › Neues Haus

„Um diese Welt zu verstehen, müssen wir wissen, wie wir lieben, denn wenn wir wissen wie wir lieben, dann begreifen wir auch, wie wir diese Welt retten können.“ Sina Martens Solo "It’s Britney, Bitch!" ist ein musikalisch-erzählerischer Abend über unglückliche Liebe und Abhängigkeit, über Wahrheit und Wahrhaftigkeit im Pop, über Väter von Töchtern und über Töchter und ihre Väter. Ein Abend über Britney Spears und über die Britney in uns allen. Als Britney Spears kurz vor der Jahrtausendwende die Bühne betritt, gilt sie als Inbegriff Pop-gewordener Unschuld: schön, prinzessinnenhaft, harmlos. Mickey Mouse Club, Justin Timberlake, Schulmädchenuniform, schließlich roter Latex, Goldene Platten, Grammy, Heirat. Aber dann: der 6. Februar 2007. Britney Spears rasiert sich öffentlich die Haare ab. "Breakdown", "Absturz", "das Ende" heißt es in den Medien. Der Ausbruch hatte zur Folge, dass sie 13 Jahre lang unter der Vormundschaft und absoluten Kontrolle ihres Vaters stand. Britney Spears’ Ausbruchsversuch wurde von Presse und Publikum, durstig nach Sensation und nach Leid, als nachvollziehbares Ende beschlossen und manifestiert. Aber was, wenn nicht? Was, wenn diese Aktion kein Kurzschluss, kein Hilfeschrei, kein psychischer Tiefpunkt war? Warum wurde dieser Moment nie als Statement, als Versuch der Emanzipation gelesen? Also was, wenn es damals nicht ums Überleben ging, sondern darum, dass eine 26-jährige Frau keine andere Möglichkeit sah, um aus einer fremdbestimmten und konstruierten Identität auszubrechen? In "It’s Britney, Bitch!"setzen sich die Regisseurin Lena Brasch und die Schauspielerin Sina Martens mit der Erfolgs- und Lebensgeschichte von Britney Spears und ihrer Wirkung als Pop-Ikone auseinander. Dafür haben neben Lena Brasch die Autor:innen Laura Dabelstein, Miriam Davoudvandi und Fikri Anıl Altıntaş Texte für das Projekt verfasst. Zusammen mit weiteren Texten und der Musik von Friederike Bernhardt entstand mosaikhaft ein musikalisch-erzählerischer Abend. Ein Abend über unglückliche Liebe und Abhängigkeit, über Wahrheit und Wahrhaftigkeit im Pop, über Frauen auf der Bühne, über Väter und Töchter und über die Britney in uns allen. "It’s Britney, Bitch!"ist eine Liebeserklärung an eine Frau, die mehr ist als nur ein freundlicher Dur-Akkord in der Geschichte des Pop. von Lena Brasch und Karolin Trachte

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Sonntag, 1. November

So, 1. Nov 2026, 15:00

PEN Berlin: Geht's noch?

@ Berliner Ensemble › Neues Haus

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Montag, 2. November

Mo, 2. Nov 2026, 20:00

#Motherfuckinghood

@ Berliner Ensemble › Neues Haus

Erfahrungen des Mutterseins decken sich selten mit dem, was Kultur und Sprache darüber vermitteln. Diese ideale, selbstlos sorgende, unendlich geduldige und noch dazu glückliche Mutter – es gibt sie natürlich nicht. Mutterschaft wird stattdessen zur Sollbruchstelle einer Gesellschaft: Wenn man Mütter weiterhin als bedingungslos Sorgende braucht, aber als Arbeitnehmerinnen nicht schonen kann. Wenn die Leistung des Mutterseins unsichtbar bleibt, wenn diese nicht nur das letzte Hemd, sondern auch noch die Rente kostet. Spätestens aber dann, wenn sich eine neue Generation von Frauen dagegen entscheidet, Mutter zu werden. "#Motherfuckinghood" ist eine Collage über Erfahrungen des Mutterseins. Ein Abend über Arbeit und Sorgearbeit, Feminismus und Söhne, über Mutterschaft und Kunst. Ensemblemitglied Claude De Demo initiierte das Projekt und schlug es der Regisseurin Jorinde Dröse vor. Dröse inszenierte u.a. am Thalia Theater, Maxim Gorki Theater, Schauspiel Frankfurt sowie Staatstheater Hannover. Seit 2009 arbeitet sie zudem als Mutter. Bitte beachten Sie: Eine Szene thematisiert auf sprachlich-darstellerischer Ebene Gewalt unter der Geburt. Diese Inszenierung ist aufgrund der Inhalte und Lautstärke nicht für Kleinkinder und Kinder geeignet. Wir wissen Bescheid über den Lehrkräftemangel, die fehlenden Kita-Plätze, den Gender Pay Gap und die längst nicht erreichte Vereinbarkeit von Vollzeitarbeit und Familie. Es gibt keinen Mangel an Studien über den Gender Pension Gap, die ungleiche Verteilung von Care- und Hausarbeit in Familien, auch über Mental Load oder die Teilzeitfalle wird gesprochen und geschrieben. Aber ändert sich auch etwas? Eines ja: Immer mehr Mütter sprechen darüber, was das alles konkret bedeutet. "#Motherfuckinghood" ist auf Initiative von Claude De Demo mit der Regisseurin Jorinde Dröse entstanden. Die Entwicklung begann mit einer breiten Recherche und war begleitet von vielen Gesprächen mit Schriftstellerinnen und Wissenschaftlerinnen. Drei Autorinnen haben Texte dafür geschrieben: Antonia Baum, Mareike Fallwickl und Emilia Roig. Weitere Texte von Claude De Demo, Alexandra Zykunov und Jana Heinicke sowie ein Interview mit der Soziologin Jutta Allmendinger sind eingeflossen. Daraus entstanden ist eine Collage über Erfahrungen von Muttersein, über Arbeit und Sorgearbeit, Feminismus und Söhne, über das Gefühl von Schuld, über den Kult der guten Mutter, und darüber, was es bedeutet, wenn Frauen sich zunehmend dagegen entscheiden, die unbezahlte Reproduktions- und Care-Arbeit zu übernehmen. von Karolin Trachte

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Mittwoch, 4. November

Mi, 4. Nov 2026, 20:00

Tod eines Handlungsreisenden

@ Berliner Ensemble › Neues Haus

Willy Loman ist ein Selfmademan! Vor mittlerweile ein paar Jahrzehnten war er einer der Fleißigsten seiner Branche. Er war erfolgreich. Leider läuft das Geschäft heute nicht mehr so gut und während sich die Rechnungen stapeln, ändern sich die Zeiten – nur Willy nicht. Er kann nicht verstehen, warum harte Arbeit und der Glaube an sich selbst nicht mehr reichen sollen. Was ihm bleibt, sind seine Träume, der Stolz und die Nostalgie. Arthur Millers "Tod eines Handlungsreisenden" zeigt den Abstieg eines Mannes, der bedingungslos an den "American Dream" glaubt und dabei dessen Brutalität übersieht: all die Lügen, die wir uns erzählen, um unsere Sehnsucht nach Macht, nach Sicherheit und nach Anerkennung zu rechtfertigen; all die Menschen, die wir opfern für unsere Erwartungen; aber auch die Momente, in denen Gemeinschaft trotz allem doch möglich gewesen wäre. Max Lindemann ist im Ruhrgebiet aufgewachsen und studierte Schauspielregie. Nach seinem Debüt mit "Aufzeichnungen aus dem Kellerloch" inszenierte er am Berliner Ensemble zuletzt die Uraufführung von Sibylle Bergs "Es kann doch nur noch besser werden" und die inszenierte Lesung von Michel Friedmans "Fremd" mit Sibel Kekilli. Von Angst und SehnsuchtVor kurzem tauchte ein Brief Arthur Millers auf, in dem er einer damaligen Studentin Einblicke in das gibt, was ihm beim "Tod eines Handlungsreisenden" wichtig war. Als zentrales Problem beschreibt er darin ein gesellschaftliches Ideal, das Menschen nicht dafür schätze, was sie gemeinsam für und mit anderen erreichen; sondern vielmehr dafür, was sie "akkumulieren" – also an Macht, Geld und Status anhäuften. Dieses Ideal, so Miller, führe zu Hass untereinander und begründe schließlich unsere Ängste. Mehr noch: "…ob man darin erfolgreich ist oder nicht, früher oder später wird man sich seiner Leere, seiner inneren Armut und seiner Isolation von der Menschheit bewusst." Millers Ringen um die Ideale unserer Gesellschaft ist 75 Jahre alt, es ist – so weit weg uns der Beruf des Handlungsreisenden heute auch scheint – genauso aktuell wie die Lügen, die wir uns erzählen, um unser Verlangen nach Macht, nach Sicherheit und nach Anerkennung zu rechtfertigen. Es ist genauso aktuell, wie die Suche nach Vergebung von all den Menschen, die wir opfern für unsere Erwartungen. Aber auch so aktuell, wie die Sehnsucht nach Momenten, in denen Gemeinschaft trotz allem doch möglich ist. Von Johannes Nölting

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Freitag, 6. November

Fr, 6. Nov 2026, 20:00

Ein wenig Licht. Und diese Ruhe.

@ Berliner Ensemble › Neues Haus

"Am Abend vor meinem Einmarsch in die besetzten Gebiete sah ich im Fernsehen eine Ansprache von Regierung und Militärführung. Sie haben entschieden, dass wir noch mehr zum BIP beitragen, wenn wir nicht nur Saugroboter, sondern Marschflugkörper konsumieren, auf dem Schlachtfeld. Wo wir uns schlachten, für Land, Bodenschätze, Macht, Grenzen. Zeug." Sibylle Bergs neues Stück spielt in einer Zukunft, die sich beunruhigend wie unsere Gegenwart anfühlt. Als in Europa ein Krieg zwischen Liechtenstein und Luxemburg ausbricht und mobil gemacht wird, dämmert es auch einem zum Wehrdienst eingezogenen Ingenieur langsam: Vielleicht war die eigene Queerness nie in Einklang mit dem Job in der Rüstungsindustrie zu bringen. Irgendwo im Schutz vor den nächsten Detonationen beginnt er zu forschen: nach der Textur des Denkens, die unsere Welt sein soll. Sibylle Bergs Text ist ein zarter Monolog über die Verzweiflung an unserer Gegenwart – einer Gegenwart, deren Diskurse wie ein Motor im Leerlauf unendlich vor sich hin rotieren – und über die Angst vor den wiederkehrenden Militarisierungstendenzen in unserer Gesellschaft. Inspiriert von der Fotografie "Fieldwork" des kanadischen Künstlers Jeff Wall nimmt Sibylle Berg an der Abbruchkante unserer Epoche Platz. Mit Musik. Und ein bisschen Stille. Mit "Ein wenig Licht. Und diese Ruhe." wird nach "RCE" und "Es kann doch nur noch besser werden" bereits der dritte Text von Sibylle Berg am Berliner Ensemble aufgeführt. Der junge Regisseur Dennis Nolden – bis zur Spielzeit 2024/25 Regieassistent am Berliner Ensemble – inszeniert Sibylle Bergs Monolog als Solo mit Gabriel Schneider. Sibylle Bergs Stück spielt in einer Welt, die sich beunru­higend wie die unsere anfühlt. Ein Krieg bricht aus in Europa. In der bergschen Welt ist es ein Krieg zwischen Liechtenstein und Luxemburg ... Als dann mobil gemacht wird, dämmert es auch einem zum Wehrdienst eingezogenen nerdig herumboomernden Ingenieur: Vielleicht stand die eigene Queerness nie in Einklang mit dem Job in der Rüstungsin­ dustrie. Er, der an der Entwicklung autonomer Drohnen ­ beteiligt war, soll nun auf einmal selbst an die Front. Der Glaube an das eigene wertegeleitete Weltbild, die Liebe zur mathematischen Präzision in der Technologie, die Freiheit, die er zu finden hoffte, in der Mechanik, den Schaltkreisen, in der ­ Logik von Bits und Bytes, Ohm und Ampere – all das bleibt angesichts einer drohenden Realität im Morast des Schützengrabens stecken. Irgendwo im Schutz vor den nächsten Detonationen beginnt der Ingenieur zu forschen: nach der Textur des Denkens, die unsere Welt sein soll. Die Angst vor dem Krieg, aber auch: die existenzielle Einsamkeit eines ganz konkreten Menschen trifft auf leere Worte; der Wunsch nach Verbindung auf die Buzzwords einer Gegenwart, die kein Zuhause bieten. "Ein wenig Licht. Und diese Ruhe." spielt in einem Bunker, in einem Keller und auf einer Ausgrabungsstätte. Aber auch in einer Ausstellung. Einer Ausstellung des Innenraums unseres Denkens. Neun Begriffe gräbt Sibylle Berg in ihrem Bühnenessay aus. In ihrem unverwechselbaren assoziativ-sprunghaften und liebevoll-zynischen Stil befragt sie diese auf ihre Bedeutung – und auf ihre ideologische Neubesetzung und die Umkehrung ihres ehemaligen Sinns. Denn einen Sinn kann Sibylle Bergs Figur in unserer Zeit nicht finden. Ihr Stück ist ein Monolog über die Verzweiflung an unserer ­ Gegenwart – einer Gegenwart, deren Diskurse wie ein Motor im Leerlauf vor sich hin rotieren – und auch über die Angst vor der wiederkehrenden Militarisierung unserer Gesellschaft. Man muss ihren Text nicht als konkreten Kommentar auf die politische Debatte um die Reform der Wehrpflicht lesen. Stattdessen kann man ihr Stück auch als ­ einen Versuch verstehen, Einsamkeit und Verzweiflung in der Kunst aufzuheben. Für einen Abend. Mit Musik. Und ein bisschen Stille. Von Lukas Nowak

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Samstag, 7. November

Sa, 7. Nov 2026, 20:00

Es kann doch nur noch besser werden

@ Berliner Ensemble › Neues Haus

Ein paar Menschen feiern an diesem Abend Abschied, denn sie beginnen ein neues Leben in einer KI-gesteuerten virtuellen Realität namens "Prima Leben". Alle hier müssen sich noch daran gewöhnen, dass das Metaversum kein Paradies, sondern ein gespenstisch ähnliches Abbild der alten Welt geworden ist – und dem Untergang entgegenblickt. Wie konnte das passieren? Was schöner, gerechter und friedlicher zu sein antrat, reproduziert nun die gleichen alten Regeln und Grausamkeiten? Von dem Lifestyle eines digitalen, minimalistischen Lebens bleibt nicht viel übrig, wenn plötzlich die Cloud offline geht, der Strom ausfällt oder eine Sturmflut naht... Ein paar Menschen feiern an diesem Abend Abschied, denn sie beginnen ein neues Leben in einer virtuellen Realität namens „Prima Leben“. Leider handelt es sich um die kostengünstige Basisversion. Die alte Hoffnung, dass eine digitale Welt gegenüber der Wirklichkeit einfach schön sein könnte, Ungleichheit überwinden oder gar frei von Hass und Stumpfsinn sein könnte, ist bald verblasst. Die virtuelle Welt entpuppt sich als ebenso trist wie die alte Realität: Einsame Avatare versuchen sich in einer hyperkapitalisierten Welt ein Leben einzurichten, während Wohnraum, werbefreie Kommunikation und die Chance auf menschliche Beziehungen verschwinden. Ob und wann hier noch ein Mensch mit Menschen spricht, ist schwer auszumachen. Vielleicht sind das alles nur Chatbots, quasi ein wilder Schlagabtausch von Social-Media-Posts und Memes, die auf sich selbst antworten? Hier träumen keine Menschen mehr von einem besseren PRIMA LEBEN Leben – dafür reicht die Fantasie nicht. Hier träumt höchstens der Algorithmus. Im Stück heißt es: „Vielleicht träumen die Maschinen und Geräte von der Rettung des Planten. Durch Entfernung der Menschen – und das könnte so aussehen …“. Diese launische KI, die hier die Regeln macht, ist jedenfalls nicht mehr der vermeintlich hilfreiche Algorithmus, als der er programmiert worden sein mag. Es folgt leider ein Downgrade: „Weniger Prima Leben“. Es kann doch nur noch besser werden zeigt eine denkbare, leider nicht allzu ferne Zukunft, in der ein alternativloser Kapitalismus und der technologische Fortschritt eine Welt schaffen, in der Menschen auf die eine oder andere Art überflüssig werden. In einer Welt der Maschinen hat das Menschliche einfach keine Lobby mehr. von Karolin Trachte

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Montag, 9. November

Mo, 9. Nov 2026, 20:00

ZEIT-Recherchen: War Opa ein Nazi?

@ Berliner Ensemble › Neues Haus

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Dienstag, 10. November

Di, 10. Nov 2026, 20:00

Der letzte Himmel

@ Berliner Ensemble › Neues Haus

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Mittwoch, 11. November

Mi, 11. Nov 2026, 20:00

Gittersee

@ Berliner Ensemble › Neues Haus

"Wie läuft es mit Paul", fragt Marie. "Gut", sagt Karin. Doch das ist nicht wahr. Paul ist verschwunden. Wickwalz nennt es "Republikflucht" und der kommt jetzt übrigens häufiger. Der ist nett und stellt Karin Fragen. Ob Paul was erzählt hat. Was er erzählt hat. Dass man es vertrauten Menschen ansieht, wenn sie lügen. Und überhaupt, wer liebt, der geht nicht fort. In ihrem viel beachteten Romandebüt "Gittersee" erzählt Charlotte Gneuß die Geschichte der 16-jährigen Karin, die ohne Vorwarnung aus ihrem jugendlichen Alltag gerissen wird. Sie erwacht in einer Welt, in der Wahrheit und Lüge gleichermaßen staatlich verordnet werden. Eine Welt, in der sie sich bald danach sehnt, die Wahrheit gar nicht zu kennen – um sie nicht verraten zu können. Charlotte Gneuß, 1992 in Ludwigsburg geboren, studierte Soziale Arbeit in Dresden, Literarisches Schreiben in Leipzig und Szenisches Schreiben in Berlin. Immer wieder nähert sich Gneuß in ihren Texten der DDR, der Realität und der Utopie, in der ihre Eltern aufwuchsen und die es heute nicht mehr gibt. Auf die Bühne gebracht wird der Stoff von der jungen Regisseurin Leonie Rebentisch, die erstmals im Neuen Haus inszeniert. Gittersee bei Dresden 1976. Karin ist 16, kein Kind mehr, aber noch nicht erwachsen. Und plötzlich ist Paul weg, ihre erste große Liebe. Weder Mutter noch Großmutter sind ihr eine Hilfe. Auch ihrer Freundin Marie vertraut sie sich nicht mehr ganz an. Es taucht jemand auf, ein Mann namens Wickwalz. Er gibt Pauls Verschwinden einen Namen: Republikflucht. Wickwalz kommt häufiger, er stellt Fragen, und sagt: "Die Arbeit, die du tun würdest, wäre nicht schwer." Und Karin, die sonst kaum spricht, beginnt, ihm zu antworten. Unterschreibt ihm ein Papier, nennt ihm einen zweiten Namen. Lässt sich ein auf die "Arbeit". Je mehr sie erfährt, desto klarer sieht sie, was sie besser nicht wissen sollte. "Gittersee" erzählt davon, wie einsam das Schweigen machen kann. Und wie einsam das Sprechen – selbst, wenn es die Wahrheit ist. Manchmal gerade dann. Charlotte Gneuß zählt zu einer jungen Generation von Autor:innen, welche die Diskussionen um die Frage, wie wir die DDR heute erzählen, bereichern – mit atmosphärischen und komplexen Erzählungen über den Alltag in der DDR, ebenso wie über das System, seine Funktionäre und die Staatssicherheit. Sie leisten einen Beitrag zur Aufarbeitung dieser Zeit, zum kulturellen Gedächtnis, zum bewussten Umgang mit Geschichte – aber eben auch mit Geschichten. Als Herausgeberin der Anthologie "Diktatur und Utopie" schreibt Gneuß im Vorwort: "Die Arbeit [des Schreibens] setzt oft bei der 'Wahrheit' an, bahnt sich aber von dort mittels Fiktion und Erfindung den Weg zur Wahrhaftigkeit." Von Karolin Trachte

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Samstag, 14. November

Sa, 14. Nov 2026, 20:00

T-Boy on Grindr

@ Berliner Ensemble › Neues Haus

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Dienstag, 17. November

Di, 17. Nov 2026, 20:00

Hedda

@ Berliner Ensemble › Neues Haus

Hedda Gabler lebt ein Leben voller Konventionen. Sie ist gefangen: in ihrer Ehe, in ihrer Zeit und in einem Theaterstück. Hedda ist Antiheldin, Vorreiterin und Rätsel zugleich. Was treibt sie in ihren scheinbar destruktiven Handlungen an? Was macht sie aus? Ihre Sehnsucht? Ihr Stolz? Ihre Taten? In seinem 1891 uraufgeführten Stück hinterfragt Henrik Ibsen die Werte seiner Zeit – nicht nur durch den Inhalt, sondern auch durch die Form und die Beziehung zu seinem Publikum. Das Team um WORX-Regisseur Heiki Riipinen tut es ihm gleich: Sie laden das Stück neu auf. Heddas Heim und Leben werden zum „Tatort“, in dem das Spektrum traditioneller Lesarten von Beziehung und Sein über das Heteronormative hinaus erweitert wird. Der aus Norwegen und Finnland stammende Heiki Riipinen ist Regisseur, Schauspieler, Drag Queen, Kurator und Dozent. Seine Aufführungen entwickelt er in gemeinschaftlichen Prozessen, die auch das Publikum einbeziehen. In seinen Arbeiten beschäftigt er sich mit den Themen Macht, Normen, Geschlecht und Sexualität. Hedda Gabler lebt ein Leben voller Konventionen. Sie ist gefangen: als Generalstochter, in ihrer Ehe mit dem langweiligen Wissenschaftler Tesman, in den Umständen ihrer Zeit und bis heute in einem Theaterstück. In dem 1891 in München uraufgeführten Stück hinterfragt der norwegische Dramatiker Henrik Ibsen aus dem deutschen Exil heraus die gesellschaftlichen Werte seiner Zeit – nicht nur durch Inhalt oder tiefen-psychologische Figurenkonstellationen, sondern vor allem durch Form und die Beziehung zum Publikum. Eben das war unter anderem Ibsens Errungenschaft in seiner Phase der Entdeckungs- oder Enthüllungsdramen, zu denen Hedda Gabler zählt. Mit der Rückkehr von der Hochzeitsreise wird das neue Heim für Hedda zum Gefängnis und zum mehrdimensionalen Tatort. Immer mehr Menschen kommen in die Villa: Tante Julle, Richter Brack, Thea Elvsted und Ejlert Løvborg. Sie alle sammeln sich um eine Frau, die Schönheit, Lust und das Absolute sucht, aber in diesem Leben nicht finden kann, nicht finden darf. Daraus entwickelt sich eine immense negative Kraft, die zum doppelten Suizid führt. Das Team um WORX-Regisseur Heiki Riipinen arbeitet mit dem Originaltext und versucht, das Stück neu aufzuladen, bekannte Erzählweisen zu brechen. Aus dem modernen Klassiker wird ein „Body-Horror“ über Macht, gesellschaftliche Verantwortung und den „Horror der Reproduktion“ – im doppelten Sinn, biologisch und gesellschaftlich. Das Publikum fungiert dabei als Kompliz:innen, als denkende und fühlende Beobachter:innen. von Daniel Grünauer

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Donnerstag, 19. November

Do, 19. Nov 2026, 20:00

Ellen Babić

@ Berliner Ensemble › Neues Haus

Astrid ist Lehrerin und lebt mit Klara, ihrer deutlich jüngeren Lebensgefährtin, zusammen, als sich eines Abends ihr Vorgesetzter Balderkamp zu einem Besuch in der gemeinsamen Wohnung ankündigt. Ein informelles Treffen soll es sein, vielleicht bei einem Glas Wein, doch Klara traut der Sache nicht. Schließlich unterrichtet er immer noch an der Schule, an der sie, damals noch als Schülerin, Astrid kennengelernt hat. So erweist sich an dem Abend die Trennung von Beruflichem und Privatem, Vergangenheit und Gegenwart immer mehr als Illusion. Und dann ist da auch noch Ellen Babić… Ein Psychokrimi über das feine Netz zwischenmenschlicher Abhängigkeiten, erschütterte Gewissheiten, Machtmissbrauch und über Dynamiken, die in unser aller Beziehungen wirken. Die Stücke des Autors und Regisseurs Marius von Mayenburg zeichnen sich durch die psychologische Genauigkeit ihrer Dialoge, die situative Komik sowie durch die Aktualität und Schärfe der in ihnen verhandelten Konflikte aus. Mit "Ellen Babić" ist nun erstmals ein Text von ihm am Berliner Ensemble zu sehen. Eine Koproduktion mit dem Theater Winterthur. Astrid, Englischlehrerin, lebt zusammen mit Klara, ihrer deutlich jüngeren Lebensgefährtin – und ehemaligen Schülerin. Sie haben sich eingerichtet, sowohl in der gemeinsamen Wohnung als auch in einer gemeinsamen Erzählung über den Beginn ihrer Beziehung. Berufliches und Privates soll „hygienisch“ voneinander getrennt gehalten werden – moderne Work-Life-Balance eben. Doch dann kommt Astrids Vorgesetzter und Schulleiter Wolfram Balderkamp unerwartet zu Besuch. In „privater“ Atmosphäre soll schnell eine Sache besprochen werden: Auf der letzten Klassenfahrt soll es einen „Vorfall“ gegeben haben. Einen Vorfall zwischen Astrid und ihrer Schülerin. Ellen Babić. Auf einmal steht ein schwerer Vorwurf im Raum, der sowohl den Gründungsmythos von Astrids und Klaras Beziehung ins Wanken bringt – als auch alle als sicher geltenden Vorstellungen über das Verhältnis von Beruflichem und Privatem, Patriarchalem und Progressivem, Vergangenheit und Gegenwart. Am Ende ist nur eins gewiss: dass nichts gewiss ist, denn: „Wirklich passiert ist nur das, worauf sich alle einigen.“ Mit "Ellen Babić" hat Marius von Mayenburg ein Kammerspiel über das feine Netz zwischenmenschlicher Abhängigkeiten, unbewusster Machtdynamiken und deren Aushandlungsprozesse geschrieben. Die Antwort auf die Frage, wer von wem abhängig ist und wer über wen Macht ausübt, verschwimmt immer mehr zwischen den Ebenen von sozialer Rollenerwartung, gesellschaftlichem Diskurs und der individuellen Erfahrung und Geschichte der Betroffenen. Und so ist Ellen Babić nicht nur ein klassischer „MacGuffin“ (Hitchcock) – eine zentrale Figur, die im Stück selbst jedoch nicht auftritt – sondern auch Chiffre für gegenwärtige Fragen rund um Macht(missbrauch), #MeToo und die Grenzen unserer beruflichen und privaten Beziehungen. von Lukas Nowak

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Samstag, 21. November

Sa, 21. Nov 2026, 20:00

Glücklich die Glücklichen

@ Berliner Ensemble › Neues Haus

Hand aufs Herz: Sind Sie wirklich glücklich? Mit ihrer Ehe? Ihren Liebhabern? Den Menschen, mit denen Sie so tagtäglich ihr Leben verbringen? Und wenn nicht: Würden Sie es zugeben? Yasmina Rezas Roman über das Pariser Bürgertum ist ein präzises, bitterkomisches Panorama der Liebes- und Ehegeschichten, der Sehnsüchte und Gehässigkeiten derer, die stets Erwartungen mit Sehnsüchten verwechseln. Denn was heißt das schon, "glücklich sein"? Kennen Sie diesen Moment, wenn Ihnen plötzlich – an der Käsetheke im Supermarkt oder bei einer ganz zufälligen Begegnung mit einem alten Schulfreund in der Straßenbahn – der Gedanke kommt, dass Sie falsch sind in Ihrem Leben? Dass Sie irgendwo mit irgendwem falsch abgebogen sind? Dass der Mann, der Nacht für Nacht neben Ihnen schläft, vielleicht nicht der Richtige für Sie ist? Und: Würden Sie es zugeben? Und: Kennen Sie das, wenn Sie dann das Licht auf dem Nachttisch einfach ausknipsen und am nächsten Morgen weitermachen, als wäre nichts gewesen? Yasmina Rezas Roman "Glücklich die Glücklichen" seziert mit viel Humor die Beziehungen des Pariser Bürgertums mit ihren alltäglichen Zumutungen und Gehässigkeiten und beobachtet sehr genau das sogenannte "gute Leben" derer, die so schlecht zwischen Erwartungen und Sehnsüchten unterscheiden können und sich deshalb immer für das Sicherere entscheiden. Denn was heißt das schon, "glücklich sein"? Yasmina Reza, 1959 in Paris geboren, beschäftigt sich seit über 30 Jahren in Romanen und Bühnenstücken mit den Abgründen der bürgerlichen Gesellschaft. Mit "Kunst" wurde sie zur meistgespielten Dramatikerin ihrer Generation. "Der Gott des Gemetzels" erschien in über vierzig Sprachen und wurde von Roman Polanski verfilmt. Am Berliner Ensemble inszeniert Regisseur und Intendant Oliver Reese nun die deutschsprachige Erstaufführung ihres Romans "Glücklich die Glücklichen".

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Samstag, 28. November

Sa, 28. Nov 2026, 20:00

Sturm auf Berlin

@ Berliner Ensemble › Neues Haus

Im März 1920 steht die junge Weimarer Republik vor einer ihrer größten Herausforderungen. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Inkrafttreten des Versailler Vertrags weigern sich Teile des Militärs, sich aufzulösen. Das Freikorps Marinebrigade Ehrhardt marschiert auf Berlin, um die demokratisch gewählte Regierung zu stürzen. Der sogenannte Kapp-Putsch zwingt die Reichstagsabgeordneten zur Flucht – doch ein landesweiter Generalstreik vereitelt den Staatsstreich. Rund 100 Jahre später, im August 2021, führt eine Bundestagsabgeordnete ehemalige Elite-Soldaten durch den Reichstag. Wollte diese Gruppe das Parlament gewaltsam stürmen? Seit 2024 stehen 25 Angeklagte der sogenannten Gruppe Reuß an drei Standorten vor Gericht – darunter Ex-Soldaten, eine frühere Abgeordnete und Richterin, ein Adliger sowie ein Ex-Polizist. Der dokumentarische Theaterabend untersucht, was geschieht, wenn der Staat von innen, aus Parlament, Justiz, Militär und Polizei angegriffen wird: ein Stück über Rechtsextremismus, Verschwörungserzählungen und die Fragilität der Demokratie. Regisseurin Marie Schwesinger arbeitet an der Schnittstelle von Dokumentartheater und Journalismus. Seit 2021 recherchiert sie zu Rechtsextremismus und begleitete zahlreiche Prozesse als Prozessbeobachterin. "Sturm auf Berlin" stützt sich auf über 1200 Seiten Protokollnotizen, die Schwesinger während der laufenden Verhandlung in Frankfurt anfertigte. Schwingkreis, Stammtisch oder Putsch? Über den Prozess gegen die Gruppe Reuss und Angriffe auf den RechtsstaatSeit 2024 läuft an den Oberlandesgerichten (OLGs) in Frankfurt am Main, Stuttgart und München mit 25 Angeklagten einer der größten Staatsschutzprozesse der deutschen Nachkriegsgeschichte. Im Zentrum steht die sogenannte Gruppe Reuß. Die Bundesanwaltschaft wirft deren Mitgliedern vor, eine terroristische Vereinigung gebildet zu haben, um die verfassungsmäßige Ordnung der Bundesrepublik zu beseitigen. Dafür sollen Waffen gesammelt, der Reichstag ausgespäht und Umsturzpläne diskutiert worden sein. Der dokumentarische Theaterabend "Sturm auf Berlin" verhandelt die gesellschaftliche Bedeutung dieses Komplexes. Im Zentrum stehen der Prozess am OLG Frankfurt und die Aussagen von Angeklagten, die sehr unterschiedliche Bilder der mutmaßlichen Vereinigung und ihrer Ziele entwerfen. Was in der Verteidigung als Schwingkreis, Stammtisch oder Thinktank ­ beschrieben wird, erscheint in der Anklage als Teil eines Umsturzplans, für den in Kooperation mit einer angeblichen militärischen "Allianz" auch Todesopfer in Kauf genommen werden sollten. Regisseurin Marie Schwesinger arbeitet an der Schnittstelle von Dokumentartheater und Journalismus. Sturm auf Berlin stützt sich auf über 1.200 Seiten ihrer Protokollnotizen aus der laufenden Verhandlung am OLG Frankfurt und verbindet sie mit einem Rückblick in die Weimarer Republik: Im März 1920 marschierte das Freikorps Marinebrigade Ehrhardt auf Berlin, um die junge Demokratie zu stürzen. Rund hundert Jahre später, im Sommer 2021, führte eine Richterin und Bundestagsabgeordnete ehemalige Elite-Soldaten mehrmals durch den Reichstag. Der Abend fragt, was geschieht, wenn der Staat von innen angegriffen wird – aus Parlament, Justiz, Militär und Polizei heraus. Er erzählt von der Fragilität demokratischer Institutionen und von einem Rechtsstaat, der sich selbst schützen muss. Von Daniel Grünauer

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Dienstag, 1. Dezember

Di, 1. Dez 2026, 18:00

Inter Alia

@ Berliner Ensemble › Neues Haus

Suzie Millers Familien- und Justiz-Drama "Inter Alia" stellt eine Menge unbequemer Fragen zu den patriarchalen Strukturen, die unsere familiären und sexuellen Beziehungen bis heute prägen. Wie und was lernen heranwachsende Jungs über Männlichkeit, Sexualität und Geschlechterrollen? Von woher beziehen sie ihre Vorbilder, wenn Väter sich zurückziehen? Und was passiert, wenn Mütter aus diesen Prozessen ausgeschlossen werden? Jessica Parks ist eine Top-Performerin. Als Richterin an einem Londoner Strafgericht hat sie Karriere gemacht und dabei ihren Mann Michael, ebenfalls Jurist, überflügelt. Mit Scharfsinn und Mitgefühl versucht Jessica ein System zu verändern, von dem sie weiß, dass es, gerade wenn es um Sexualstraftaten geht, nicht immer Gerechtigkeit schafft. Aber das ist nur eine Rolle von vielen, in die sie tagtäglich schlüpft. Schließlich ist sie unter anderem – "inter alia", wie es im juristischen Fachjargon heißt – auch noch engagierte Feministin, treue Freundin, liebende Ehefrau und moderne Mutter. Bei Gericht wie im Privatleben versucht Jessica die Kontrolle zu behalten, gerecht und liebevoll, emanzipiert und beschützend, achtsam und immer verfügbar zu sein. Als jedoch eines Morgens ihr 18-jähriger Sohn Harry nach einer Party angetrunken nach Hause kommt, gerät ihr scheinbar so gut ausbalancierter Lebensentwurf ins Wanken. Nach dem Welterfolg von "Prima Facie" beleuchtet die australische Dramatikerin Suzie Miller mit "Inter Alia" eine weitere Facette des gesellschaftlichen Umgangs mit sexualisierter Gewalt gegen Frauen. Das Stück gewährt einen fundierten Einblick in die juristische Praxis und stellt gleichzeitig so pointierte wie unbequeme Fragen zu moderner Elternschaft und der Weitergabe von tief-verwurzelten patriarchalen Strukturen in Beziehungen.

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CC BY-SA 3.0 – http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/

Sonntag, 6. Dezember

So, 6. Dez 2026, 19:00

Herkunft

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Stellen Sie sich vor, Ihre Vergangenheit passt in einen Koffer. Oder auf ein Blatt Papier. Oder in einen Theaterabend. Stellen Sie sich vor, Sie müssten erzählen, woher Sie kommen, wer Sie sind – und Sie wüssten: Die Wahrheit hat viele Versionen. Saša Stanišić schreibt in seinem preisgekrönten Roman "Herkunft" gegen allzu leichte Wahrheiten und gegen das Vergessen an – mit Witz, Wut, Wärme und einem Blick für die Absurditäten des Erinnerns. Zwischen Višegrad, Heidelberg und dem Labyrinth der eigenen Biografie entsteht so ein vielstimmiges Spiel rund um Identität, Flucht, Familie – und die Kraft des Erzählens sowie den Drang, sich immer wieder selbst zu erfinden. Stanišić selbst, 1978 im damaligen Jugoslawien geboren und 1992 als Jugendlicher nach Deutschland gekommen, macht seine eigene Geschichte zum Ausgangspunkt einer literarischen Erkundung: Was bleibt von einem Menschen, wenn er seine Heimat verliert? Wie viel Herkunft steckt in dem, was wir Zukunft nennen? Und lässt sich Heimat vielleicht gerade dort finden, wo Geschichten geteilt werden und Erinnerungen eine gemeinsame Sprache finden? Daran knüpft der ukrainische Regisseur Stas Zhyrkov an, der seit der russischen Invasion im deutschen Exil lebt. Auch er trägt die Erfahrung des plötzlichen Aufbruchs, der Entwurzelung, in seiner Arbeit. Gemeinsam mit seinem Team und dem Ensemble inszeniert er "Herkunft" nicht als bloße Adaption, sondern als Dialog verschiedener Biografien, der die Fragen nach Identität und Heimat in die Gegenwart holt. Bitte beachten Sie: In dieser Inszenierung kommen Stroboskop-Effekte zum Einsatz. Identität ist kein Besitz, sondern ein ProzessIn "Herkunft" versucht der Autor Saša Stanišić sich aus Erinnerungen, Zufällen und Geschichten ein Bild von sich selbst zu machen. Geboren im ehemaligen Jugoslawien und als Jugendlicher damit konfrontiert, auf der Flucht vor dem Krieg in Heidelberg ein neues Leben beginnen zu müssen, fragt er sich: Wer bin ich? Was macht es mit einem Menschen, wenn er seine Heimat verliert? Wie viel Herkunft steckt in dem, was wir Zukunft nennen? Und lässt sich Heimat vielleicht gerade dort finden, wo Geschichten geteilt werden und Erinnerungen eine gemeinsame Sprache finden? Stanišićs Roman zeigt eindrücklich, wie sehr unsere Vorstellungen von Identität mit den Geschichten verknüpft sind, die wir uns selbst und die andere über uns erzählen. Die Psychoanalytikerin Annette Simon hat sich nicht nur lange mit Fragen zu Identität, sondern auch u.a. mit den ostdeutschen Transformationserfahrungen nach '89 beschäftigt. Was heißt es, aus einem Land zu kommen, das es nicht mehr gibt? Wie prägen Umbruchserfahrungen wie der Zerfall der DDR oder Jugoslawiens die eigene Biografie? Und: Welche Rolle spielt Humor, wenn man sich der eigenen Geschichte stellt, ohne sie zu verklären? Das ganze Interview finden Sie im Programmheft.

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