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Räume und Unterorte

Events an diesem Ort und seinen Unterorten

Morgen · Donnerstag, 29. Oktober

Do, 29. Okt 2026, 13:00

IN THE CORPSE OF THE PRESENT Prinz Friedrich von Homburg Heinrich von Kleist

@ Bühne › Galerie, Bühne

Marco Fusinatos IN THE CORPSE OF THE PRESENT erstreckt sich über zwei Ebenen des Gorkis und ist an 21 Tagen jeweils acht Stunden lang zu erleben. Die Arbeit bespielt sowohl das ehemalige Foyer des Theaters, das im Erdgeschoss zur Bühne wird, als auch den großen Saal im ersten Stock. Beide Räume sind gleichzeitig aktiv und laden das Publikum dazu ein, sich frei zwischen ihnen zu bewegen und die Arbeit aus unterschiedlichen Perspektiven und über unterschiedlich lange Zeiträume zu erleben. Drei Ausgangsmaterialien bilden die Grundlage für Fusinatos Bearbeitung von Heinrich von Kleists Prinz Friedrich von Homburg: In einer gelben Reclam-Ausgabe des Stücks wurden alle Zeilen, die nicht vom Prinzen gesprochen werden, durchgestrichen, zurück bleibt der Prinz allein in den Überresten seines Textes. Das zweite Ausgangsmaterial ist eine Aufnahme von Peter Steins legendärer Inszenierung an der Schaubühne am Halleschen Ufer aus dem Jahr 1972. Das dritte ist ein in Vergessenheit geratenes Kleist-Denkmal im Innenhof einer Berliner Schule. Sein Gesicht wurde eingescannt und als Maske für die Performer:innen reproduziert. Im Erdgeschoss, in Gorkis ehemaligem Foyer, setzen die Performer:innen diese Materialien fortwährend in Bewegung. Durch ihre Handlungen verwandelt sich Literatur in Schwingung und Theater gleitet ins Ritual. Sie drehen die Schallplatten von Hand in extrem langsamer Geschwindigkeit und dehnen Sprache zu kehligem Klang, lang gehaltenen Soundflächen und fragmentiertem, hartem Noise. Mit Kleists Gesicht vor dem eigenen und den isolierten Worten des Prinzen bewegen sie sich zwischen Verkörperung und Verschwinden. Keine einzelne Person übernimmt die Rolle des Prinzen; vielmehr wandert sie von Körper zu Körper und entzieht sich dabei immer wieder einer festen Identität. Im großen Saal spielt Fusinato eine ausgedehnte Improvisation auf der E-Gitarre, begleitet von einer kontinuierlichen Abfolge von Videomaterial. Aus unterschiedlichen Quellen montiert, entfalten sich die bewegten Bilder neben dem überwältigend verstärkten Klang und erzeugen eine zeitgenössische Bildwelt aus Spektakel, Zusammenbruch, Übertragung und Unterbrechung. Die beiden Ebenen geben der zentralen Spaltung in Kleists Prinz eine räumliche Form. Im Erdgeschoss kehren wir immer wieder zu Sprache, Disziplin und Repräsentation zurück, während sich der Theatersaal darüber für Improvisation, Kollision und Übermaß öffnet. Wie zwei gleichzeitig existierende Bewusstseinszustände löst keiner den anderen auf. Ohne vorgegebenen Anfang, feste Abfolge oder eine einzige Perspektive erschließt sich IN THE CORPSE OF THE PRESENT durch Bewegung, Dauer und Nähe. Jede:r Besucher:in setzt sich dabei aus diesen Elementen die eigene Begegnung mit der Arbeit zusammen. WICHTIGER WARNHINWEIS: Diese Vorstellung enthält sehr hohe Lautstärke und hohe Frequenzen, Rauch- und Nebeleffekte, eingeschränkte Sicht sowie starke Lichtkontraste. Die Vorstellung im Theatersaal (Obergeschoss) behandelt Themen und zeigt Darstellungen, die auf manche Menschen verstörend, emotional belastend oder retraumatisierend wirken können. Dies kann insbesondere für Menschen mit Herzschrittmachern oder anderen medizinischen Implantaten, Asthma oder Atemwegserkrankungen, Epilepsie oder Lichtempfindlichkeit, Klaustrophobie, Angst-, Panik- oder posttraumatischen Belastungsstörungen sowie ausgeprägter sensorischer Empfindlichkeit belastend oder gesundheitlich riskant sein. Bitte schätzen Sie vor dem Besuch eigenverantwortlich ein, ob die Vorstellung für Sie und Ihre Schutzbefohlenen geeignet ist. Mit dem Betreten des Veranstaltungsbereichs bestätigen Besucher:innen, dass sie diesen Hinweis zur Kenntnis genommen haben. Bei Unsicherheit empfehlen wir, vorab medizinischen Rat einzuholen.

IN THE CORPSE OF THE PRESENT Prinz Friedrich von Homburg Heinrich von Kleist

Donnerstag, 3. Dezember

Do, 3. Dez 2026, 19:30

Das Hörrohr

@ Bühne

Alle, die Leonora Carringtons Jahrhundertroman Das Hörrohr gelesen haben, wissen: Es ist eine Entfesselung literarischer Energie und ein surrealistisch-revolutionärer Angriff auf die Humor- und Alternativlosigkeit patriarchaler Macht. Die 92-jährige Titelheldin revoltiert gemeinsam mit anderen Alten und Ausgestoßenen: Was wäre, wenn die Welt einen anderen als den von Gier und Gewalt geprägten Weg gegangen wäre? Carrington antwortet mit Humor und nimmt die Welt in ihren grotesken Details wörtlich. Ihre Held:innen sind „Freaks“, um ein Wort aus dem Werk von Ulrike Ottinger zu verwenden: Hoffnungsträger:innen, weil sie unpassend sind und gerade deshalb Räume für neues Denken und Veränderung eröffnen. Sie sind gefährdet und verletzlich. Genau diese Verletzlichkeit in Stärke zu verwandeln, gibt der Geschichte ihre unbändige Kraft. Ulrike Ottinger, die Königin des transdisziplinären Widerstands gegen Autorität und Gleichförmigkeit in Kunst, Theater und Kino, hat Carrington 1991 in Chicago getroffen. Gemeinsam entstand damals der Plan zu einer Adaption von Das Hörrohr. 35 Jahre später wird diese Idee am Gorki Wirklichkeit. Carringtons surrealistisches Welttheater trifft auf Ottingers eigene Bild- und Gedankenwelt: auf ihre Faszination für Außenseiter:innen, Exzentriker:innen und Figuren, die sich den Regeln ihrer Zeit entziehen. Auf der Bühne entsteht daraus eine Welt zwischen Groteske und Utopie, in der Alter zur revolutionären Energie, Fantasie zur politischen Kraft und das vermeintlich Unpassende zum Ausgangspunkt einer neuen Ordnung wird. Begleitet wird das Theaterereignis durch eine Ausstellung mit weiteren Werken von Ulrike Ottinger. Dieses Projekt wird aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds ermöglicht.

Samstag, 12. Dezember

Sa, 12. Dez 2026, 19:30

Back to the Present

@ Bühne

Erinnerungen sind vergänglich, Müll bleibt für immer. Im Jahr 2003 schufen Constanza Macras und ihre Compagnie Dorky Park im verlassenen Warenhaus Jandorf das inzwischen legendäre Stück Back to the Present. Jetzt, mehr als 20 Jahre später, kommt Back to the Present ans Gorki – an einen neuen Ort und mit allem, was in der Zwischenzeit passiert ist. Wohin geht man, wenn man vor der Realität fliehen will, sich nicht mit der Vergangenheit und auch nicht mit der Zukunft auseinandersetzen will? Man geht ins Bett. Oder man geht in das Gegenteil der Realität: eine Reality Show! In Back to the Present treffen sich gerade gewordene Singles bei einem Casting für so eine Show. Hier versuchen sie, vollkommen sie selbst zu bleiben und gleichzeitig sich selbst hinter sich zu lassen, um Archetypen zu werden für ein Massenpublikum. Doch ihre Vergangenheit werden sie nicht los. Fetischisierte Objekte aus früheren Beziehungen sammeln sich an wie Trümmer unter einem Berg von Schutt. Sie sind Verlassene und wollen endlich die Dinge loswerden, die sie ständig an ihre Vergangenheit erinnern. Nur wie recycelt man Dinge, die nie verwesen: Liebesbriefe, Fahnen, alte Requisiten, alte Ideen? Und wenn Geschichte zunehmend digital wird: Werden wir dann überhaupt noch irgendetwas los? Back to the Present fragt, wie kapitalistische Verwertungslogik selbst die intimsten Räume kolonisiert – und feiert zugleich all das, was sich dem Ausverkauf entzieht. Dabei wird die Arbeit selbst zum Teil ihrer eigenen Geschichte: Kostüme, Requisiten, Erinnerungen und die Spuren ihrer ersten Aufführung treffen mehr als zwanzig Jahre später auf eine neue Gegenwart. Die Menschen haben ihr Leben weitergelebt, die Welt hat sich verändert – und Back to the Present kehrt zurück, um sich selbst noch einmal zu begegnen. Diese Rückkehr wird zum Beginn einer neuen Zusammenarbeit: Back to the Present ist die erste Arbeit von Constanza Macras und Dorky Park am Gorki. In den kommenden Spielzeiten folgen weitere gemeinsame Arbeiten.

Donnerstag, 17. Dezember

Do, 17. Dez 2026, 20:00

HELLZAPOPPIN': What About The Bees?

@ Bühne

Die amerikanische Choreografin und Filmemacherin Yvonne Rainer ist eine der einflussreichsten künstlerischen Persönlichkeiten der letzten fünfzig Jahre und eine wichtige Erneuerin in verschiedenen Disziplinen, von Tanz und Film bis hin zu feministischer Theorie und Poesie. Als Gründungsmitglied des Judson Dance Theatre in New York – einem informellen experimentellen Kollektiv, das in den 1960er Jahren den postmodernen Tanz prägte – gehörte Rainer zu den leitenden Figuren einer Generation, die die Konventionen des Tanzes und der Performance revolutionierte, indem sie den Umgang mit banalen, alltäglichen Handlungen und Aufgaben wie Stillstehen, Gehen und Laufen neu bestimmte. Ihr Werk HELLZAPOPPIN’: What about the bees? streift Welten aus Text, Experimentalfilm und Choreografie und reflektiert Amerikas anhaltenden Kampf mit systemischem Rassismus. Es kombiniert – in Anlehnung an Rainers frühere Performances – Text, Tanz und Filmausschnitte aus zwei Klassikern: dem Hollywood-Musical HELLZAPOPPIN' von 1941 und dem Kurzfilm Zero for Conduct des französischen Autors Jean Vigo von 1993. Yvonne Rainer hat angekündigt, dass HELLZAPOPPIN’: What about the bees? ihr „letzter Tanz“ sein wird. Das Werk stellt den Höhepunkt von über 60 Jahren Tätigkeit in den Bereichen Choreografie, Filmemachen, Schreiben und Lehre dar, die ein ikonisches Gesamtwerk bilden, das Generationen von Künstler:innen in den USA und international nachhaltig beeinflusst hat. Umso mehr freut sich das Gorki, dieses besondere Gastspiel in Berlin zeigen zu können.