Do, 19. Nov 2026, 19:00 · Einlass 18:30
NEUE MÄNNER BRAUCHT DAS LAND? – Männer, Männlichkeiten und die Frage: Was können wir tun?
Kurt-Masur-Platz 1, 04109 Leipzig, DE
Gleichberechtigung geht alle an. Die Frage ist nur, wer sie mitgestaltet.
Männliche Rollenbilder setzen unter Druck – Männer selbst genauso wie ihr Umfeld. Doch sie sind nicht in Stein gemeißelt: Männer können selbst entscheiden, was sich verändern soll.
Viele Männer lernen früh: Sie müssen funktionieren. Sie müssen allein klarkommen. Sie müssen Stärke zeigen. Das kann sowohl aus der eigenen Biografie entstehen, aber es entsteht in jedem Fall auch aus dem, was Gesellschaft von Männern erwartet. Diese Erwartungen wirken sich in alle Bereiche des Lebens aus: in Beziehungen, in Familien, in der Arbeitswelt und auch darauf, wie Männer über Gefühle sprechen, ob sie sich Hilfe holen, wie sie mit Krisen umgehen.
Wenn Männer gelernt haben, stark zu sein, durchzuhalten und Probleme mit sich selbst auszumachen, hat das Folgen. Vorsorge wird aufgeschoben, Hilfe kommt oft spät – und aus dem Versuch, allein klarzukommen, können Einsamkeit, Depression, Überforderung oder Gewalt entstehen. Dahinter steckt oft dasselbe Muster: Wer nie gelernt hat, über Schweres zu sprechen, trägt es allein. Und wer allein trägt, merkt spät, dass es zu viel wird. Hilfe zu holen erscheint dann nicht als Möglichkeit, sondern als letztes Eingeständnis.
Was folgt daraus? Genau darum geht es an diesem Abend. Was kann getan werden, um diese Muster zu verändern? Welche Erwartungen an Männer helfen ihnen weiter – und welche schaden ihnen selbst, den Menschen um sie herum und dem Zusammenleben insgesamt? Und vor allem: Was lässt sich davon verändern, ohne auf jemanden zu warten?
Im Gespräch treffen unterschiedliche Perspektiven aufeinander: aus Männer- und Jungenarbeit, ostdeutschen Jugend- und Subkulturen, Polizei- und Gewaltprävention, rassismuskritischer Bildungsarbeit sowie feministischer Öffentlichkeit.
Es geht darum, Männer selbst ins Gespräch zu bringen: miteinander über Erwartungen und Unsicherheiten zu sprechen, Risikoverhalten unter Männern anzusprechen, Kritik auszuhalten, Verantwortung zu übernehmen und Verbündete für Gleichberechtigung zu werden.
Denn Gleichberechtigung braucht nicht nur Zustimmung. Sie braucht Beteiligung. Keine Schuldzuweisungen. Keine Kulturkämpfe. Sondern ein ehrliches Gespräch darüber, wie Männer heute leben wollen – und was es bedeutet, kein Zuschauer mehr zu sein.
Gäste:
Hendrik Bolz ist Autor, Musiker und Host des Podcast Springerstiefel und bildete bis 2024 eine Hälfte der Band „Zugezogen Maskulin“. Seine Auseinandersetzung mit dem Aufwachsen in Ostdeutschland, mit Männlichkeitsbildern, Gewalt und sozialen Erwartungen ermöglicht eine Ansprache, die nicht bei abstrakten Begriffen wie Patriarchat oder Geschlechtergerechtigkeit beginnt, sondern bei der Frage, wie Männer eigentlich gelernt haben, Männer zu sein.
Svenja Fuchs ist Creatorin und Podcasterin. Sie ergänzt das Podium um eine feministische Perspektive. Ihre besondere Funktion liegt dabei gerade nicht darin, Männern erneut zu erklären, was Feminismus fordert. Vielmehr eröffnet sie eine für die Veranstaltung zentrale Frage: Was bedeutet es, wenn Männer sich zu feministischen Anliegen bekennen? Reicht es aus, bekannte feministische Positionen zu wiederholen und sich damit auf der „richtigen Seite“ zu verorten – oder müssen Männer beginnen, eigene Fragen zu formulieren, die eigene Rolle zu hinterfragen, um daraus konkrete Verantwortung abzuleiten?
Amanos Mohammad ist Vertreter der LAG Jungenarbeit und Geschlechterreflexion Sachsen. Er steht für die fachliche Perspektive der geschlechterreflektierten Jungen- und Männerarbeit. Zudem erweitert die Veranstaltung um eine Perspektive, die in Debatten über Männlichkeit häufig unterbelichtet bleibt, die unterschiedlichen Erfahrungen von Jungen und Männern mit Migration, Rassismus und gesellschaftlichen Zuschreibungen.
Michael Ruschitschka, Leitender Polizeidirektor, Leiter des Führungsstabes der Polizeidirektion Leipzig erweitert die Diskussion um die institutionelle Perspektive der Gewaltprävention und des polizeilichen Umgangs mit geschlechtsspezifischer Gewalt. Seine Beteiligung ermöglicht es, die Frage nach Männerbildern und Gewaltprävention auch mit Blick auf institutionelle Verantwortung, Präventionsansätze und den praktischen Umgang mit Gewalt zu diskutieren.
Christoph May (Detoxing Masculinity) schafft als Akteur der kritischen Männerarbeit die fachliche Rahmung des Themas und stellt den Zusammenhang zwischen Männlichkeitsbildern, Geschlechtergerechtigkeit und gesellschaftlicher Verantwortung her. Er wird einen Input geben und zugleich die Moderation des Podiums übernehmen.
Anmerkung: Dass dieses Podium überwiegend männlich besetzt ist, ist eine bewusste Entscheidung der Organisatorinnen. Zum Internationalen Männertag sollen Männer selbst über Männlichkeit, Rollenbilder und ihren Beitrag zum Thema Gleichberechtigung reflektieren. Sie sollen nicht nur Verbündete eines bestehenden Diskurses sein, sondern selbst Verantwortung übernehmen – und dafür müssen sie miteinander ins Gespräch kommen.
Die Veranstaltung ist eine Kooperation zwischen dem Referat für Gleichstellung von Frau und Mann der Stadt Leipzig, dem Referat für Migration und Integration der Stadt Leipzig, dem KEE Leipzig, TelefonSeelsorge Leipzig sowie der Moritzbastei.
Diese Maßnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.
Tickets
- Eintritt freiEintritt frei
Links
- Sourcemoritzbastei.de
